Kultur Leben

kugelsternhaufen liest: The Improbability of Love

 

Vor einigen Wochen war ich mal wieder dabei, meine immer länger werdende Leseliste zu durchforsten, um einige neue Werke zu bestellen. Nachdem das grad mit dem Semesterbeginn und damit einer für mich sehr leselastigen Zeit für das Studium einherging, war ich vor allem auf der Suche nach leichter Lektüre, die spannend und interessant, aber auch gut fürs Einschlafen ist. Die Beschreibung von The Improbability of Love klang da genau nach meinem Geschmack.

Annie McDee, Protagonistin der Geschichte, entdeckt in einem Ramschladen ein kleines Gemälde, das sie für den Geburtstag eines potentiellen Lovers kauf. Auf der Suche nach mehr Details zu dem Bild, das sich schnell als ein verloren geglaubtes Meisterwerk des 18. Jahrhunderts entpuppt, taucht sie tief in die Londoner Kunstwelt ein und entdeckt dort nicht nur Geheimnisse rund um das Gemälde. Verwoben in die Suche nach Antworten ist dann auch noch die Liebesgeschichte von Annie und Jesse, einem jungen Londoner Künstler – mein immer mal wieder kitschliebendes Herz dachte also ein perfektes Buch gefunden zu haben.

Meine Erwartungen wurden aber schnell, und von Seite zu Seite mehr, enttäuscht. Das erste Mal, als ich an meiner Wahl zu zweifeln begann, war, als im zweiten Kapitel das Bild aus der Ich-Perspektive zu erzählen beginnt. Obwohl man so einiges über die Geschichte des Gemäldes erfährt, kam mir das Ganze doch ein wenig abstrus vor. Oder zumindest gewöhnungsbedürftig. Recht bald findet Annie, und damit auch der Leser, heraus, dass das Bild von Antoine Watteau gemalt wurde, ein französischer Maler aus dem 18. Jahrhundert. Den Künstler gab es natürlich wirklich, das Bild aber eben nicht. Und damit wären wir auch schon bei dem größten Problem, das ich mit der Geschichte hatte. Ich hätte es wesentlich besser gefunden, hätte die Autorin auch einen fiktiven Künstler entwickelt und für ihre Geschichte verwendet. Auf ihrer Homepage erklärt Hannah Rothschild, dass sie wegen der überschaubaren Details, die über das Leben von Antoine Watteau bekannt sind, diesen Künstler genommen hatte, für mich machte es das Lesen trotzdem ein wenig schwierig.

Als jemand, der ungern Bücher nicht fertig liest, hab ich mich also weiter durch die fast 500 Seiten gekämpft und mir immer wieder gedacht, dass man diese Geschichte ohne Probleme auf 200 Seiten erzählen und dennoch zahlreiche Details, für die das Buch so oft gelobt wird, einfügen hätte können. Besonders gegen Ende hin scheint es, als hätte die Autorin nur noch Details angefügt, um clever oder fleißig zu wirken, zum Lesen ist es tatsächlich eher mühsam. In einer kurzen Rezension zu dem Buch habe ich kürzlich den Vergleich mit The Goldfinch von Donna Tarte gelesen, dem ich absolut nicht zustimmen kann. Ja, die Tatsache, dass ein Gemälde eine wesentliche Rolle in der Handlung spielt, lässt sich hier vergleichen und vielleicht auch das Detailreichtum – genau da zeigt sich aber meiner Meinung nach die Stärke von Tarte und die Schwäche von Rothschild. Bei The Goldfinch wirkt es irgendwie natürlich, alles, das erwähnt wird, scheint in der einen oder anderen Weise für die Geschichte wichtig. Bei The Improbability of Love dagegen wirkt es gezwungen und oftmals unpassend.

Wenn man dann endlich am Ende ankommt, werden die Geschichten aller Personen in einem kurzen Absatz noch zu Ende erzählt – meiner Meinung nach einer der größten Fehler, da er dem Buch jegliche ohnehin fragwürdige Validität nimmt. Bestes Beispiel: Evie, die alkoholabhängige Mutter von Annie, die das ganze Buch hindurch als quasi verlorener Fall beschrieben wird, der das Leben seiner Tochter immer und immer wieder verkompliziert und erschwert. Sie schafft es letztlich doch, trocken zu werden, holt ihren Schulabschluss nach und bekommt ein Stipendium für Oxford – AS IF! Genau solche Geschichten sind es, die mich eigentlich das ganze Buch über genervt haben, ein jeder Rosamunde Pilcher Film, der oft genauso abwegige Geschichten erzählt, wirkt da noch um einiges realistischer.

Fazit: Ein Buch für den Strand, bei dem es mehr als verwundbar ist, wenn es voll Sonnencreme und Sand zurück nach Hause kommt – oder eben auch nicht.

Lisa und Margarita sind Kugelsternhaufen.

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